Grußwort Dr. Dietrich Munz

Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg

Grußwort zu den ersten Süddeutschen Psychotherapie-Tagen 2018

Ich möchte den Organisatoren der ersten Süddeutschen Psychotherapietage gratulieren, dass es ihnen gelungen ist, eine Tagung mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten zusammenzustellen. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus allen Schulen und Orientierungen aus allen Herkunftsberufen sowie auch Angehörigen anderer Berufe bekommen eine interessante Tagung geboten.

Besonders begrüße ich, dass sie als Thema ihrer diesjährigen Tagung „Trauma und Resilienz“ gewählt haben. Immer mehr Menschen werden wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben und die Zahl der Frühberentungen ebenso wie die der Behandlungstage in Kliniken nimmt zu. Angesichts dieser Tatsache ist es dringend notwendig, den Blick nicht nur auf Fragen der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen, sondern ebenso auf die Möglichkeit der Förderung von Resilienz und somit auch Prävention zu richten.

Kliniker, d.h. Ärztliche, Psychologische und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten neigen eher dazu, die Perspektive des Behandlers psychisch erkrankter Menschen einzunehmen. Es ist jedoch wichtig, sich auch mit Fragen der Prävention und somit Resilienz zu befassen. Wir müssen sowohl die individuellen als auch gesellschaftlichen Voraussetzungen schaffen oder verbessern, dass Menschen weniger psychisch belastet werden, aber auch dass sie besser in der Lage sind, psychische Herausforderungen und traumatisierende Erlebnisse weniger belastend zu erleben und besser zu bewältigen. Das trägt sicher auch dazu bei, dass eine erforderliche psychotherapeutische Behandlung besser wirken kann und somit sowohl schneller als auch nachhaltiger hilfreich ist.

„Trauma und Resilienz“ als Tagungstitel konfrontiert unmittelbar auch mit der gesellschaftlichen Herausforderung, wie die vielen geflohenen Menschen, die bei uns Schutz suchen und finden und von denen viele sowohl in ihrem Herkunftsland als auch auf ihrer Flucht traumatisierende Situationen durchleben mussten, in unsere Gesellschaft integriert werden können und wie ihnen bei der Bewältigung ihrer durch Traumatisierung bedingten psychischen Belastungen oder Erkrankungen geholfen werden kann. Neben psychotherapeutischer Hilfe sollten unbedingt resilienzfördernde Faktoren berücksichtigt werden, da diese nicht nur als Schutzfaktoren für mehr psychische Stabilität, sondern auch als hilfreiche Faktoren für psychische Stabilisierung gesehen werden können. Die Integration in ein soziales Umfeld, die Unterstützung durch die eigene Familie und die Möglichkeit der Pflege der eigenen Kultur und Religion sowie das Erleben von Selbstwirksamkeit sind Faktoren, die psychisch stabilisieren und somit auch geflohenen Menschen hilfreich sind. Deshalb ist es wichtig, diese in die Planungen zur Integration von Menschen, die bei uns Asyl suchen und finden, einzubeziehen. Nur so kann eine verantwortungsvolle Integration gelingen, die den zu uns geflohenen Menschen eine Perspektive bietet, die auch psychisch hilfreich wirkt.

Resilienz zu fördern ist eine gesellschaftliche Aufgabe und Herausforderung. Es ist dringend geboten, wissenschaftlich erprobte Präventionsmöglichkeiten in möglichst allen Lebensbereichen umzusetzen, um psychische Erkrankungen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Die Wirksamkeit von Prävention körperlicher Erkrankungen ist längst erwiesen. Bei zunehmenden psychischen Belastungen und in einer Gesellschaft mit größer werdenden psychischen Herausforderungen in verschiedenen Lebenswelten muss die Prävention gefördert und umgesetzt werden, damit psychische Erkrankungen nicht weiter eine der häufigsten Ursachen für Krankschreibung und Frühberentung bleiben.

Den Tagungsorganisatoren nochmals Dank für das gelungene Tagungsthema und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine anregende und erfolgreiche Tagung mit vielen Möglichkeiten zum kollegialen Austausch – nicht nur über Möglichkeiten besserer therapeutischer Versorgung und Therapieangebote, sondern auch besserer Prävention und Förderung der Resilienz.

Dr. Dietrich Munz

Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg