Grußwort Manne Lucha MdL

Minister für Soziales und Integration Baden-Württemberg

Schriftliches Grußwort von Minister Manne Lucha MdL für die 1. Süddeutschen Psychotherapie-Tage

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen der 1. Süddeutschen Psychotherapie-Tage widmen Sie sich den wichtigen Themen „Trauma und Resilienz“.

Vermutlich gibt es außerhalb der Fachwelt viele Menschen, die mit dem Begriff „Resilienz“ zunächst nicht viel anfangen können. Dabei ist doch die psychische Widerstandsfähigkeit eines Menschen, zum Beispiel nach belastenden Lebensereignissen oder in schwierigen Lebenssituationen, ganz entscheidend für seine weitere seelische Gesundheit. Denn wir alle haben schon einmal belastende Lebensereignisse erlebt. Sie gehören zu unserem Leben. Daher ist es wichtig zu verstehen, welche Resilienzfaktoren dazu beitragen können, schwierige Lebenssituationen besser zu bewältigen.

Mir ist es in diesem Zusammenhang wichtig, dass wir die bisherigen Erkenntnisse zur Resilienz in allgemeinverständlicher Art und Weise in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Denn Resilienz ist nichts Abstraktes, auch wenn es so klingen mag. Jeder einzelne von uns kann seine eigene Resilienz, aber auch die Resilienz anderer Menschen verbessern. Das fängt zum Beispiel bei einer engen Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern an. Aber auch stabile Bindungen außerhalb der Familie, zum Beispiel im Freundeskreis, im Sportverein oder bei der Arbeit, verhelfen zu mehr Resilienz. Gerade in sozialen Gruppen können wir Selbstvertrauen erlernen, Selbstwirksamkeit erleben und so unsere individuelle Resilienz stärken. Resilienz kann aber auch als eine gemeinschaftliche bzw. gesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden. Denn Bindungen und Zusammenhalt beruhen auf Gegenseitigkeit. Wer hingegen für eine Spaltung und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft eintritt, der gefährdet auch die Widerstandsfähigkeit des Einzelnen in Krisensituationen und somit auch den sozialen Frieden in unserem Land.

Mit Blick auf traumatisierte oder psychisch belastete Menschen hoffe ich, dass es durch die zukünftige Resilienzforschung gelingt, diesen Menschen noch besser helfen zu können, deren Resilienz nachhaltig zu erhöhen und weitere spezifische Psychotherapieverfahren zu entwickeln.

Die damit verbundenen Herausforderungen sind mir durchaus bewusst: Zum einen ist da die Komplexität der Psychotherapieforschung zu nennen; zum anderen aber auch die Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Hier müssen wir auch weiterhin dafür werben, dass zum Wohle der Patientinnen und Patienten auch zukünftig in Bereichen geforscht wird, in denen vielleicht kein großer finanzieller Profit, aber dennoch ein großer Nutzen für die Betroffenen zu erwarten ist. Die „sprechende Medizin“ muss weiter gestärkt werden.

Sicher benötigen nicht alle Menschen nach einem belastenden Lebensereignis professionelle Hilfe im Sinne einer Psychotherapie. Doch bei manchen Menschen sind die Beeinträchtigung und der Leidensdruck so groß, dass ein freundschaftliches Gespräch in der Familie oder dem Freundeskreis nicht mehr ausreicht. Dann ist es beruhigend zu wissen, dass es Sie gibt. Als Experten in diesem Bereich leisten Sie in Praxis, Forschung und Lehre einen wichtigen Beitrag dafür, dass Menschen, die professionelle Hilfe benötigen, diese nach den aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft auch erhalten.

Ich freue mich, dass bei Ihrer diesjährigen Tagung die Behandlung traumatisierter Migrantinnen und Migranten eine besondere Rolle spielen wird.

Ich habe großen Respekt vor Ihrer Arbeit und weiß auch aus eigener Erfahrung, dass Ihre Arbeit oft sehr herausfordernd und auch belastend sein kann. Daher danke ich Ihnen, dass Sie sich dieser Herausforderung Tag für Tag aufs Neue stellen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Tagung mit vielen spannenden Impulsen für Ihre weitere Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Manne Lucha MdL
Minister für Soziales und Integration Baden-Württemberg