Grußwörter

Grußwort – Dietrich Munz

Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden Württemberg

Mit dem Thema der diesjährigen Süddeutschen Psychotherapietage „Der Körper in der Psychotherapie“ greifen die Organisatoren ein Thema auf, das unsere Kultur, unser abendländisches Denken und verschiedene Wissenschaften seit Jahrhunderten beschäftigt und zum Teil zu heftigen Kontroversen geführt hat. Descartes, der als Begründer des Rationalismus gilt, postulierte die Dualität von Körper und Seele, wobei diese im Körper beherbergt sei. Die Wechselwirkung sah er einseitig als Einflussnahme der Seele auf den Körper.

Mit dem biopsychosozialen Krankheitsmodell, das diese Trennung auflöst und um die Bedeutung sozialer Interaktion für die Gesundheit der Menschen erweitert, wird diese Dualität aufzuheben versucht.

In der berufspolitischen Debatte um die Reform des Psychotherapeutengesetzes wurde von einem Teil der Kritiker des Novellierungsentwurfs geäußert, dass durch ein Studium, das zur Approbation als Psychotherapeut führt, die Trennung von Körper und Seele vertieft werde. Es werde im Gegensatz zur ärztlichen Ausbildung, in der ein umfassendes Bild des Menschen vermittelt werde und die die Ärzte befähige, den Menschen ganzheitlich zu sehen, ein sich ausschließlich auf die Psyche konzentrierendes Studium angeboten, dessen Absolventen diese umfassende Kompetenz nicht hätten. Verkannt wird bei dieser Kritik, dass dieses Studium ebenfalls dem biopsychosozialen Ansatz verpflichtet ist, um den Dualismus genauso zu vermeiden wie die ärztliche Ausbildung. Auch wenn der Schwerpunkt mehr auf den psychologischen und sozialen Grundlagen sowie den psychischen Prozessen liegt, sind auch hier die Grundlagen für ein ganzheitliches, die biologisch-medizinischen Kenntnisse und das Wechselspiel zwischen Körper und Psyche einbeziehendes Menschenbild und das Verständnis psychischer Erkrankungen zu vermitteln und in der Weiterbildung zu vertiefen.

Die diesjährigen Süddeutschen Psychotherapietage verdeutlichen, dass sich alle Psychotherapeuten, unabhängig von ihrem Ausbildungsgang, mit dem Wechselspiel von Körper und Psyche befassen müssen. Dies gelingt am besten durch die gemeinsame Auseinandersetzung über Fallarbeit, Supervision und Diskussion aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und Ergebnisse und deren Eingliederung in die Theoriebildung in der Psychotherapie.

Gemeinsames Ziel aller Psychotherapeuten sollte sein und bleiben, dass auch künftig das Angebot gegenseitiger Supervision und Selbsterfahrung und theoretischer Diskussion zwischen allen psychotherapeutischen Berufsgruppen in der Aus- und vor allem der Weiterbildung möglich ist. So können die je nach Studium erworbenen Grundausbildungen und damit unterschiedlichen Perspektiven sich gegenseitig ergänzend in die psychotherapeutische Tätigkeit integriert werden.

Den Organisatoren der Süddeutschen Psychotherapietage ist zu danken, dass sie das seit Jahrhunderten bestehende und doch immer wieder so aktuelle Thema der Bedeutung des Wechselspiels zwischen Psyche und Körper und den manchmal vernachlässigten Blick und Einbezug des Körpers in die Psychotherapie, jedoch auch die Vernachlässigung des Einflusses der Psyche auf körperliche Erkrankungen und deren Behandlung, aufgegriffen haben und hierzu Experten eingeladen haben. So gelingt es, die Diskussion aller Psychotherapeuten mit unterschiedlicher Ausbildungsherkunft anzuregen und ein umfassendes Menschenbild in der Psychotherapie weiter zu fördern.

Allen Teilnehmern wünsche ich eine anregende Tagung mit neuen Erkenntnissen und anregenden Debatten sowohl zu theoretischen Überlegungen als auch zur Umsetzung in den psychotherapeutischen Behandlungen.

Dr. Dietrich Munz
Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg und der Bundespsychotherapeutenkammer