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Kurzvorstellung Vorträge

SONNTAG, 04.11.2018

Plenarvortrag | 09:30 – 10:15 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Prof. Dr. Martin Hautzinger (Tübingen)

Psychotherapie der chronischen Depression. Sind frühe traumatische Erfahrungen ein Moderator des Behandlungserfolgs?

Über die letzten Jahre rückten die chronischen Depressionen verstärkt in den Mittelpunkt der Psychotherapieforschung. Es wurden sogar spezielle Psychotherapien für diese behandlungsresistente, schwierige Patientengruppe entwickelt. Erste Metaanalysen zeigen, dass die Studienlage noch gering und die Behandlungseffekte noch sehr ungünstig sind. Im Vortrag werden das Rational, die Fragestellung, das Vorgehen und die Ergebnisse von zwei multizentrischen, kontrollierten, großen nationalen Studien zur Psychotherapie chronischer Depressionen berichtet und verglichen. Dabei wird auf psychoanalytische, kognitiv-verhaltenstherapeutische, unterstützende und schulenübergreifende Behandlungen eingegangen. Neben der Effektivität geht es auch um die Intensität und Dauer der jeweiligen Behandlungen. Passend zum Kongressthema soll auch die Bedeutung früh erlittener, traumatischer Erfahrungen und deren Relevanz für den Behandlungserfolg untersucht werden.

Kurzvorstellung Martin Hautzinger
Kurzvorstellung Sven Olaf Hoffmann

Plenarvortrag | 10:15 – 11:00 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Prof. Dr. Sven Olaf Hoffmann (Hamburg)

Menschliche Ängste zwischen traumatischem Erleben und Schutzfunktion

Das Erleben von Ängsten wird regelhaft als ausschließlich negativ, belastend und traumatisierend beschrieben. Hinter dieser Sicht ist erst einmal wenig Raum für die Betrachtung von Ängsten als einen im Rahmen der Evolution höchst sinnvollen Schutzmechanismus. Tatsächlich war für das Überleben unserer Art kein anderer Affekt (wie etwa Schmerz, Scham oder Ekel) so bedeutsam wie die Angst. Angst war das unverzichtbare Warnsignal, das uns vor den multiplen Gefahren der Evolution unserer Art, in erster Stelle wohl den großen Beutegreifern, schützte. Die Angststörungen kann man mit gutem Grund als pathologische Entgleisungen eines bis heute wirksamen Schutzsystems auffassen. Der Vortrag versucht, dieses Konzept zu entwickeln und nachvollziehbar zu machen.

Workshop | 11:30 – 13:00 Uhr

Prof. Dr. Sven Olaf Hoffmann (Hamburg)

Menschliche Ängste zwischen traumatischem Erleben und Schutzfunktion

Das Erleben von Ängsten wird regelhaft als ausschließlich negativ, belastend und traumatisierend beschrieben. Hinter dieser Sicht ist erst einmal wenig Raum für die Betrachtung von Ängsten als einen im Rahmen der Evolution höchst sinnvollen Schutzmechanismus. Tatsächlich war für das Überleben unserer Art kein anderer Affekt (wie etwa Schmerz, Scham oder Ekel) so bedeutsam wie die Angst. Angst war das unverzichtbare Warnsignal, das uns vor den multiplen Gefahren der Evolution unserer Art, in erster Stelle wohl den großen Beutegreifern, schützte. Die Angststörungen kann man mit gutem Grund als pathologische Entgleisungen eines bis heute wirksamen Schutzsystems auffassen. Im Workshop sollen diese Thesen vertieft werden. Gerne können aus dem Teilnehmerkreis Fallvignetten beigesteuert werden, die man gemeinsam im Sinne der Grundüberlegung auf den Schutzcharakter von Ängsten hin untersuchen kann.

Kurzvorstellung Sven Olaf Hoffmann
Kurzvorstellung Frank Padberg

Workshop | 11:30 – 15:30 Uhr

Prof. Dr. Frank Padberg (München)

CBASP als beziehungsfokussierter Therapieansatz bei chronischer Depression

In biographischen Prägungen verankerte Muster in der Beziehungsgestaltung spielen als aufrechterhaltende Bedingungen bei Menschen mit chronischer Depression eine wichtige Rolle und stellen an Therapeuten besondere Anforderungen. Das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) ist ein störungsspezifisches neues Psychotherapiekonzept mit Schwerpunkt auf dem eigenen Erleben und Verhalten in Beziehungen. CBASP ist mittlerweile das am besten in seiner Wirksamkeit belegte Psychotherapieverfahren bei chronischer Depression. Der Workshop vermittelt folgende Inhalte in Theorie und Praxis: Ätiologie und Diagnostik der chronischen Depression und CBASP, Therapeutische Techniken: Erhebung von Prägung und Übertragungshypothesen, Arbeit mit Situationsanalysen und spezifische Beziehungsgestaltung in der Therapie. Eigene Beispiele können eingebracht werden.

Workshop | 11:30 – 15:30 Uhr

Dr. Sandra Becker (Tübingen)

Evidenzbasierte Behandlung der Anorexia nervosa und Bulimia nervosa

Nach einer Einführung in die Diagnostik, Epidemiologie und den Verlauf von Essstörungen beschäftigt sich der Workshop mit den Möglichkeiten der evidenzbasierten ambulanten und stationären Behandlung von Patientinnen mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa.

Es werden symptomorientierte Behandlungsbausteine in Bezug auf Normalisierung des Essverhaltens, Gewichtszunahme und Veränderung des Körperbildes vorgestellt sowie anhand von Fallbeispielen die Erarbeitung konfliktorientierter Anteile der Essstörung demonstriert.

Kurzvorstellung Sandra Becker
Kurzvorstellung Anna Buchheim

Workshop | 11:30 – 15:30 Uhr

Univ.-Prof. Dr. Anna Buchheim (Innsbruck)

Der Nutzen der Bindungsdiagnostik für die Psychotherapie

Zahlreiche neue Befunde der klinischen Bindungsforschung zeigen Zusammenhänge zwischen Bindungsmerkmalen und therapeutischer Beziehung, es lassen sich Vorhersagen von Therapieergebnissen und Veränderung von Bindungsrepräsentationen im Therapieverlauf, aber auch über Bindungsmuster von Psychotherapeuten treffen. Unsichere und desorganisierte Bindungsrepräsentationen von Patienten können durch Psychotherapie signifikant verbessert werden und demnach sind auch mentale Verarbeitungsstrukturen von Patienten mit traumatischen Bindungserfahrungen veränderbar. Bindungsinterviews (Adult Attachment Interview, Adult Attachment Projective Picture System) erfassen die Bindungsrepräsentationen und werden im transgenerationalen Kontext, in der klinischen Forschung sowie in der neurobiologischen Grundlagenforschung erfolgreich eingesetzt. Der Workshop stellt Beispiele zum Nutzen der Bindungsdiagnostik bei Erwachsenen und Jugendlichen sowie Befunde von Psychotherapie-Studien zur Veränderung von Bindungsmustern bei verschiedenen Störungsbildern vor.