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Kurzvorstellung Vorträge

SAMSTAG, 03.11.2018

Plenarvortrag | 09:00 – 09:45 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Prof. Dr. med. Andreas Warnke (Würzburg)

Resilienz – wenn Kinder psychosozial gefährdet, aber psychisch immun sind

Resilienz und psychosoziale Ressourcen als Gesundheit stützende Merkmale befinden sich im Spannungsfeld zu den Risikovariablen Vulnerabilität und psychosoziale Stressoren. Resilienz- und Risikofaktoren sind körperlich, psychologisch, sozial und ökologisch feststellbar. Vulnerabilitätsfaktoren des Kindes sind u.a. genetische Belastung, geringes Geburtsgewicht, niedrige Intelligenz und schwieriges Temperament. Stressoren für das Kind sind u.a. Armut, psychische Erkrankung eines Elternteils, sehr junge Eltern, Misshandlung und Vernachlässigung. Im Vortrag werden kindliche, familiäre und insbesondere auch gesellschaftliche Veränderungen der letzten zwei bis drei Jahrzehnte erläutert und als Wirkfaktoren unter dem Blickwinkel der Resilienzförderung durch bildliche und filmische Beispiele veranschaulicht.

Kurzvorstellung Andreas Warnke
Kurzvorstellung Christine Knaevelsrud

Plenarvortrag | 09:45 – 10:30 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Prof. Dr. Christine Knaevelsrud (Berlin)

Posttraumatisches Wachstum – zwischen Resilienz und Illusion

Im Gegensatz zu den psychopathologischen Folgen traumatischer Erfahrungen gilt die Posttraumatische Reifung/Wachstum als konstruktiver Prozess nach einem traumatischen Ereignis. Posttraumatisches Wachstum zeigt sich anhand positiver Auswirkungen u.a. auf Aspekte des Beziehungserlebens, von Lebensprioritäten und kann eine intensivere Gewahrwerdung individueller Stärken zur Folge haben. Wie lässt sich diese scheinbare Paradoxie erklären? Diskutiert wird das Spannungsfeld zwischen resilienten bzw. konstruktiven Prozessen versus illusionären Attributionen und deren Bedeutung im posttraumatischen Verarbeitungsprozess.

Plenarvortrag | 11:00 – 11:45 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser (Wien)

Trauma und Reizdarmsyndrom: Bauch-gerichtete Hypnose und Resilienz

Betroffene mit Reizdarmsyndrom leiden an Bauchkrämpfen, Stuhlunregelmäßigkeiten und häufig an Traumatisierungen mit verminderter Resilienz. Neben Medikamenten ist vor allem die Psychotherapie, insbesondere die Bauch-gerichtete Hypnose eine effiziente Behandlung, die mit 10 Sitzungen deutliche Langzeiteffekte zeigt. Im Vortrag wird auch die wissenschaftliche Evidenz ausführlich dargestellt.

Literatur, Vortragsvideo und Kursankündigungen unter www.gabrielemoser.at

Kurzvorstellung Gabriele Moser
Kurzvorstellung Martin Sack

Plenarvortrag | 11:45 – 12:30 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Prof. Dr. Martin Sack (München)

Stabilisieren durch Konfrontation – wie gelingt das?

Durch die Aktivierung von Bewältigungsressourcen während der konfrontativen Behandlung können die evidenzbasiert wirksamen Prinzipien der traumatherapeutischen Behandlungen, auch bei Patienten mit komplexen Traumfolgestörungen und dissoziativen Störungen, mit Erfolg eingesetzt werden. Grundprinzip hierbei ist, das traumatische Erinnerungsmaterial von einer alltagsnahen Belastungssituation ausgehend zu aktualisieren. Damit wird es möglich, schon sehr frühzeitig direkt an der Traumafolgesymptomatik zu arbeiten. Längere vorbereitende Phasen einer stabilisierenden psychotherapeutischen Behandlung sind dann nur noch in Ausnahmefällen erforderlich.

Im Vortrag werden die Indikationsstellung und die konkrete Vorgehensweise anhand von Fallbeispielen vorgestellt. Der Forschungsstand zu Wirkmechanismen und aktuelle Entwicklungen der traumakonfrontativen Therapien werden thematisiert.

Workshop | 14:00 – 18:00 Uhr

Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser (Wien)

Bauch-gerichtete Hypnose bei Reizdarmsyndrom

Im Workshop wird eine Einführung in die Bauch-gerichtete Hypnose mit Einblick in die Brain-Gut-Achse, Indikationen, relative Kontraindikationen und die Aufklärung der Betroffenen (Schwerpunkt Reizdarmsyndrom) gegeben. Des Weiteren werden Erfolgskriterien und Ablauf der 10 Sitzungen mit Beispielen von Hypnosebildern bzw. praktischen Demonstrationen vermittelt.

Literatur, Vortragsvideo und Kursankündigungen unter www.gabrielemoser.at

Kurzvorstellung Gabriele Moser
Kurzvorstellung Martin Sack

Workshop | 14:00 – 18:00 Uhr

Prof. Dr. Martin Sack (München)

Neue Entwicklungen in der Behandlung von Patienten mit komplexen Traumafolgestörungen

Erfahrungen von schwerer Gewalt und Vernachlässigung vor allem in der Kindheit und Jugend können im späteren Leben zu einer Vielzahl von psychischen und psychosomatischen Symptomen führen. Typische Folgen sind Probleme mit der Regulation von Affekten, der Selbstakzeptanz, Scham, Schuldgefühle und Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Zusammenhang zwischen kindlichen Traumatisierungen und körperlichen wie psychischen Erkrankungen ist durch Befunde der Neurobiologie eindrücklich belegt. Die Diagnose komplexe PTBS findet zunehmend Anerkennung und wird 2019 in die Diagnoseklassifkation ICD-11 eingeführt werden. Zentrale Elemente der Behandlung sind therapeutischer Beziehungsaufbau, Förderung der Affektregulation, Verbesserung von Selbstbezug und Selbstwert sowie Förderung der Beziehungsfähigkeit. Auf den Einsatz traumakonfrontativer Methoden bei Patienten mit komplexen Traumafolgestörungen wird besonders eingegangen.

Workshop | 14:00 – 18:00 Uhr

PD Dr. Tagay Sefik (Essen)

Psychotherapie und psychologische Betreuung von traumatisierten Migranten

Eine Migration ist meist ein einschneidendes Lebensereignis und mit vielfältigen Stresssituationen verbunden, die unterschiedlich erlebt und verarbeitet werden. Trauma und Migration können in zweifacher Hinsicht miteinander verknüpft sein. So sind Betroffene z.T. in ihren Heimatländern mit Ereignissen konfrontiert, die mit Krieg, Flucht, Vertreibung und sehr häufig mit sexualisierter Gewalt einhergehen. Zum anderen sind Menschen, die ihre Heimat verlassen, auch in der Folge dieser Auswanderung mit einer Reihe belastender Ereignisse konfrontiert. Die Vermittlung interkultureller Kompetenzen für Therapeuten wird in der Versorgung zunehmend wichtig. In diesem Workshop sollen traumaspezifische Diagnostikinstrumente und traumafokussierte Behandlungsverfahren v.a. anhand von Fallbeispielen bei Menschen mit Migrationshintergrund vermittelt werden.

Kurzvorstellung Sefik Tagay
Kurzvorstellung Walter Bongartz

Workshop | 14:00 – 18:00 Uhr

Prof. Dr. Walter Bongartz (Konstanz)

Hypnotherapie: Eine praktische Einführung

Die moderne Hypnotherapie wird nicht nur als Suggestivtherapie betrachtet, sondern im Wesentlichen als eine emotionale Therapie, die den hypnotischen Zustand zur Veränderung des emotional-erfahrungsmäßigen Hintergrundes psychischer Störungen verwendet. Dazu bietet die Hypnotherapie verschiedene Interventionsformen an, die alle Ebenen einer psychischen bzw. psychsosomatischen Erkrankung (Körper, Verhalten, Selbstbild, soziale Ebene) im Rahmen eines umfassenden Behandlungsplans berücksichtigen. Das Seminar ist praktisch konzipiert und vermittelt über Demonstrationen eine Einführung in die Sprache der Trance, Tranceinduktionen und Interventionsformen (z.B. „emotionale“ Umstrukturierung).

Workshop | 14:00 – 15:30 Uhr

Dr. med. Florian Junne (Tübingen)

Resilienz durch relationale (Führungs-)Kompetenz am Arbeitsplatz

Soziale Beziehungen und Führung sind bedeutsame Faktoren für die Entstehung von psychischer Belastung im Arbeitskontext und für die Entstehung psychischer und psychosomatischer Störungen. Gelingende Arbeitsbeziehungen können umgekehrt eine wichtige Ressource sein und fördern die Stressresilienz und damit die psychische Gesundheit. Für eine Kultur der Beziehungskunst am Arbeitsplatz braucht es Vorbilder und aktive Gestalter. Im Workshop werden beispielhaft gesundheitsförderliche und stresspräventive Führungsstile, -haltungen und -techniken vorgestellt. Die Chancen einer verbesserten Führungs- und Beziehungskultur, z.B. in Teams der Industrie und im Gesundheitswesen, werden anhand der Erfahrungen und Fragen der Teilnehmer reflektiert und mögliche Hürden in der praktischen Umsetzung antizipiert.

Kurzvorstellung Florian Junne