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Kurzvorstellung Vorträge

FREITAG, 02.11.2018

Plenarvortrag | 11:00 – 11:45 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Prof. Dr. Ulrich Schnyder (Zürich)

Evidenzbasierte Psychotherapien für PTSD: Unterschiede, Gemeinsamkeiten und künftige Entwicklungen

Die evidenzbasierten Psychotherapien für die Posttraumatische Belastungsstörung haben viele Gemeinsamkeiten: Psychoedukation, Emotionsregulation, Exposition, kognitive Arbeit, Bearbeitung komplexer Emotionen wie Angst, Scham, Schuld, Wut, Trauer sowie die Reorganisation von Gedächtnisfunktionen und das Erarbeiten eines konsistenten Narrativs. Künftige Entwicklungen werden unter anderem bei den Mini-Interventionen, in erhöhter Kultursensitivität und im Bereich der Resilienzförderung erwartet.

Kurzvorstellung Ulrich Schnyder
Kurzvorstellung Harald Gündel

Plenarvortrag | 11:45 – 12:30 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Prof. Dr. Harald Gündel (Ulm)

Psychosomatische Medizin an der Schnittstelle von Arbeitsplatz und Gesundheit

Psychische und psychosomatische Störungen manifestieren sich oft innerhalb des beruflichen Umfeldes. Zunehmend dynamische Umstrukturierungen, Arbeitsverdichtung und immer größere Anforderungen an Flexibilität und Mobilität tragen zu einem erhöhten Bedarf an frühen psychosomatisch-psychotherapeutischen Beratungsmöglichkeiten bei. Im Vortrag werden klinisch-psychotherapeutische, meist evidenzbasierte Erfahrungen mit den folgenden präventiven Seminaren sowie niederschwelliger Erstberatung und Frühintervention vorgestellt:

  • Primärpräventive Interventionen im Betrieb und im Setting Krankenhaus (d.h. präventive Arbeit mit Gesunden)
  • Die „Psychosomatischen Sprechstunden im Betrieb“ (d.h. frühe Beratung bei beginnenden psychischen Beeinträchtigungen)

Es zeigt sich, dass manche präventiven Maßnahmen und Frühinterventionen sehr gut geeignet sind, die persönliche Resilienz (und die der „Gruppe“) gegenüber Stressoren am Arbeitsplatz zu fördern.

Plenarvortrag | 12:45 – 13:30 Uhr | Paul-Lechler-Saal

Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa (Ulm)

Trauma und Resilienz aus biomolekularer Perspektive

Belastungen durch traumatischen Stress kumulieren über die Lebensspanne und erhöhen in einer Dosis-Wirkungs-Beziehung das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen. Auf molekularer Ebene führt Stress zu einem veränderten bioenergetischen Stoffwechsel sowie einem Mehr an zellulären Schädigungen durch oxidativen Stress und chronische Entzündungsprozesse. Körperliche Aktivität, stützende soziale Beziehungen, positive Freizeitaktivitäten, gesunde Ernährung und Schlaf sind Resilienzfaktoren und therapeutische Wirkfaktoren, die diese biomolekularen Pfade beeinflussen.

Kurzvorstellung Iris-Tatjana Kolassa
Kurzvorstellung Harald Gündel

Workshop | 14:30 – 18:00 Uhr

Prof. Dr. Harald Gündel (Ulm)

Psychosomatische Medizin an der Schnittstelle von Arbeitsplatz und Gesundheit

Aufbauend auf dem Plenarvortrag werden Struktur und Inhalt von verschiedenen, in unserer Arbeitsgruppe durchgeführten und meist evaluierten psychotherapeutischen (Kurz-)Interventionen in Betrieben, Behörden und Krankenhäusern mit größerer Tiefe vorgestellt. Dies betrifft sowohl primärpräventive Ein-Tagesseminare („Gesund Führen“), aber auch je nach Bedarf unterschiedlich aufgestellte/arbeitende psychosomatische Betriebssprechstunden. In diesem Rahmen werden wir gemeinsam klinische Fälle im Hinblick auf Diagnostik, Psychotherapie und Verlauf diskutieren.

Workshop | 14:30 – 18:00 Uhr

Dr. Fred Christmann (Stuttgart)

Angst und Angstbewältigung

Wie gelingt Angstbewältigung dauerhaft? Wie schaffen es Patienten, sich ihren Ängsten in der Expositionstherapie und im Alltag zu stellen? Der Workshop vermittelt die Erarbeitung einer klaren Entscheidung als Voraussetzung für eine Änderung des Denkens. In der Folge wird Angst nicht mehr bekämpft, sondern es geht um Bewältigung. Für die Überwindung naiver Selbst-Erklärungen und in der Folge die Entwicklung neuer Gewohnheiten ist die Veränderungskompetenz der Patienten weiterzuentwickeln, sodass sie zum Coach ihrer Ängste und ihres Selbstwerterlebens werden können. Literatur: Fred Christmann: Keine Angst vor Ängsten. Schattauer Verlag.

Kurzvorstellung Fred Christmann
Kurzvorstellung Gernot Hauke

Workshop | 14:30 – 18:00 Uhr

Dr. Gernot Hauke (München)

Emotionale Aktivierungstherapie: Embodimenttechniken im Emotionalen Feld

Sie erfahren, wie mit Patienten ein Emotionales Feld entwickelt wird, das alle Gefühle widerspiegelt, die mit einer konkreten Problemsituation verbunden sind. Dabei wird mit primären und sekundären Emotionen gearbeitet. Es wird gezeigt, wie mit dem Einsatz des Körpers – Körperhaltung, Gestik, Mimik, Atemrhythmus und Stimme – selektiv Emotionen, wie z.B. Freude, Trauer, Angst, Wut, etc. hergestellt werden können. Mit Embodimenttechniken gelangen Sie dorthin, wo Sprache kaum etwas bewirkt; gleichzeitig erleben Sie die vitalisierende Kraft von Emotionen.

Workshop | 14:30 – 18:00 Uhr

Prof. Dr. Thomas Ethofer (Tübingen)

Psychopharmaka und Psychotherapie

Im Workshop werden die Grundlagen der psychopharmakologischen Behandlungen von Depression, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Angsterkrankungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen vorgestellt. Hierbei wird insbesondere auf den Stellenwert der psychopharmakologischen Behandlung bei gleichzeitig erfolgender Psychotherapie bei den einzelnen Krankheitsbildern eingegangen und praktische Erfahrungen unserer offen geführten Psychotherapiestation mit Schwerpunkt Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung/Posttraumatischen Belastungsstörung vorgestellt. Vorkenntnisse im Bereich Antidepressiva, Stimmungsstabilisierer und Antipsychotika sind zur aktiven Teilnahme und Diskussion wünschenswert, aber nicht zwingend Voraussetzung.

Kurzvorstellung Thomas Ethofer
Kurzvorstellung Annegret Eckhardt-Henn

Workshop | 14:30 – 18:00 Uhr

Prof. Dr. Annegret Eckhardt-Henn (Stuttgart)

Dissoziative Störungen. Klinik – Diagnostik – Therapie

Komplexe dissoziative Bewusstseinsstörungen werden heute als Traumafolgestörungen verstanden. Wir unterscheiden physiologische dissoziative Zustände von pathologischen dissoziativen Erlebenszuständen, die bei akuter Belastung (z.B. stark angespannten Situationen, akuten belastenden Ereignissen wie Unfällen) oder in der direkten Folge von schweren Belastungsreaktionen oder im weiteren Zeitverlauf nach schwerer Traumatisierung im Sinne einer posttraumatischen Störung auftreten und sich zu einer schweren dissoziativen Bewusstseinsstörung entwickeln können. Dies führt dann zunehmend zu einer Beeinträchtigung der Alltags- und Berufsaktivitäten. Im Workshop werden zunächst verschiedene Formen pathologischer Dissoziation, Pathogenese, Neurobiologie und psychoanalytische Ansätze sowie therapeutische Methoden dargestellt. Die Teilnehmer des Workshops sind eingeladen, eigene Fallvignetten beizutragen.

Workshop | 14:30 – 18:00 Uhr

Prof. Dr. Barbara Wild (Stuttgart)

Achtsamkeitsübungen für die Praxis

Achtsamkeit ist in Mode. Aber reicht es denn, sich vorzunehmen, achtsam zu sein? Und bringt Achtsamkeit wirklich etwas? Das muss man selbst ausprobieren. Nach einem Überblick zu unterschiedlichen Methoden des Achtsamkeitstrainings werden im Workshop die Übungen selber im Vordergrund stehen: Wie fühlt sich Achtsamkeit mit Fokus auf eine Sache an und wie Achtsamkeit als Weiten der Aufmerksamkeit, um möglichst viel wahrzunehmen? Welche Übungen kann man gut in den Alltag einbetten und welche eignen sich zur Weitergabe an Patientinnen und Patienten?

Kurzvorstellung Barbara Wild
Kurzvorstellung Wolfgang Schorlau

Öffentlicher Vortrag | 19:30 – 20:30 Uhr

Wolfgang Schorlau

Erzählen und Heilen

Einige der bedeutendsten Erzählungen der Menschheitsgeschichte erzählen eine Geschichte der Heilung. Die Überwindung der Schwermut Hamlets, die Angst des Mannes vor dem Weiblichen in Vertigo (ein zentrales Thema Alfred Hitchcocks) oder die Unfähigkeit König Lears wahre Liebe zu erkennen – in vielen der Geschichten, die zum kulturellen Erbe der Menschheit zählen, ringen die Heldin oder der Held um ihre innere Gesundheit. Wolfgang Schorlau, der Erfinder des Stuttgarter Privatermittlers Georg Dengler, erzählt, was die Verbindung von Erzählen und Heilen für sein Werk bedeutet.